Am Alsterwanderweg saniert der LSBG ein Stück Hamburger Geschichte. Am Wehr „Mellingburger Schleuse“ in Sasel fuhren bis Anfang des 20. Jahrhunderts über 400 Jahre lang zahlreiche Lastschiffe zwischen Lübeck und Hamburg.
Das ist Vergangenheit, die alten Holztore sind nicht mehr aktiv, aber noch als Denkmal vorhanden und in die Jahre gekommen. Inzwischen dient das Wehr dazu, den Wasserstand der Alster zu regulieren. Das hat auch Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt.
Bei dieser Sanierung zeigt der LSBG die Bandbreite seines Könnens. Wir verknüpfen vor Ort verschiedene Kompetenzen miteinander aus Wasser- und Brückenbau, Hochwasserschutz, Ökologie und Elektrotechnik.
Das Wehr „Mellingburger Schleuse“ passierten von 1500 bis 1910 zahlreiche Lastschiffe. Sie waren beladen mit Gütern wie Holz, Torf, Ziegelsteinen oder Kalk und bedienten die Handelsroute zwischen Lübeck und Hamburg.
Das ist Vergangenheit: Die alten Tore sind nicht mehr in Betrieb, aber noch als Denkmal vorhanden. Die ehemalige Schleuse ist die einzige Anlage in ganz Hamburg, die an die alte Alsterschifffahrt erinnert.
Seit Ende der 90er Jahre dient das Wehr dem Binnenhochwasserschutz und reguliert den Wasserstand der Alster. Die Wege rund um die Schleuse mit dem angrenzenden Hotel sind ein beliebter Ausflugsort.
In der Blütezeit der Alsterschifffahrt hatte der Schleusenmeister im Sommer viel zu tun, besonders wenn 15 Schiffe sich zum Durchschleusen gesammelt hatten. Die übrige Zeit verbrachte er als Landwirt, Gastwirt und Fischer. Für das Öffnen und Schließen der Schleuse hatte er das Schleusengeld zu erheben […].
Zitat aus dem Jahrbuch des Alstervereins
Ein Schiffer stand vorn ein anderer hinten, die dann den Kahn durch Staken im Stromstich hielten. Bei der Bergfahrt, die durchschnittlich zwölf Tage dauerte, wurden die meisten leeren Kähne von drei bis vier Frauen mit einem Seil gezogen, das an der Kahnspitze befestigt war und dann über die Schultern der Frauen auf den Leinpfad über den Treidelweg führte, der auch Treidelpfad genannt wurde.
Zitat aus dem Jahrbuch des Alstervereins
Mit den Schleusentoren erhalten wir ein Stück Hamburger Geschichte. Im Frühjahr 2025 kamen die alten Tore per Kran aus dem Wasser. Eine Spezialfirma hat sie originalgetreu rekonstruiert, im Herbst konnten wir die neuen Tore am ehemaligen Schleusenoberhaupt einsetzen. Allerdings haben sie keine Funktion mehr: Der Lastschiffverkehr auf der Alster ist schon lange eingestellt und den Wasserstand regelt künftig eine vollautomatisierte Wehrklappe.“
Projektleiter Dr. Hassan Nasermoaddeli und Bauleiter Jan-Christian Schmidt aus dem Geschäftsbereich Gewässer und Hochwasserschutz
Die Alster ist ein in Hamburg einmaliger Natur- und Erholungsraum. Von der Quelle bis zur Mündung in die Elbe stauen mehrere Schleusen- und Wehrbauwerke das Wasser und bilden damit unüberwindbare Hindernisse für Fische.
Von der Elbe bis zum Wehr Mellingburger Schleuse ist der Weg inzwischen durch die vom LSBG gebauten zahlreichen Fischaufstiegsanlagen frei.
Für die Fische und andere im Wasser lebende Tiere soll sich der Weg im Alsterlauf nun weiter öffnen. Bislang konnten sie den Höhenunterschied von circa 1,50 Meter am Wehr Mellingburger Schleuse nicht überwinden. Das soll die geplante Fischaufstiegsanlage ändern.
Für diesen „Durchgangsverkehr“ bauen wir passgenau:
Die Maximalgröße der Fische nutzen unserer Ingenieur:innen, um die geometrischen Grenzwerte für Tiefe, Breite und Länge der Fischaufstiegsanlage zu errechnen. Die Fertigstellung ist im Jahr 2028 geplant. Die Anlage wird um das Wehrbauwerk herumführen.
Wir haben bereits am Wehr Poppenbütteler Schleuse die erste naturnahe Fischaufstiegsanlage im Alsterlauf fertiggestellt. Weitere Anlagen finden sich an der Mühlen- und an der Rathausschleuse sowie Fuhlsbüttel.
Fischaufstiegsanlage am Wehr Poppenbütteler Schleuse
Projektleiter Dr. Hassan Nasermoaddeli erklärt:
„Die Baumaßnahme ist ein Balanceakt: Zum einen sollen die Fische wieder ihren Weg durch die Alster finden. Zugleich hat sich dort in den vergangenen Jahrhunderten ein hochsensibles Feuchtbiotop entwickelt, das nicht trockenfallen darf. Hier stehen erhaltenswerte Einzelbäume, deren Wurzeln sich an die Verhältnisse angepasst haben.“
„Wir haben die Wasserstände vor Ort mittels Grundwassersmodellierung und -monitoring umfassend untersucht. Diese Erkenntnisse haben starken Einfluss auf unsere Baumaßnahme: Um so wenig wie möglich in das Feuchtbiotop einzugreifen, verteilen wir die sogenannten Riegel der Fischaufstiegsanlage in der unteren Hälfte des Gewässers und schütten in der Mitte eine Sohle auf. So können wir das Absenken des Grundwassers reduzieren und den Lebensraum im Biotop weitgehend erhalten. Damit werden wir den naturschutzrechtlichen Anforderungen gerecht.”
Am Wehr Mellingburger Schleuse....