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Neu gemacht im alten Stil

Die Lombardsbrücke



Von hier aus schätzen die meisten den Blick auf die Stadt. Ingenieur:innen jedoch bringt die über 150 Jahre alte Lombardsbrücke zum Staunen.

Historischer Sandstein, handgefertigte Ziegel, geschmiedete Geländer und zahlreiche Details machen das Bauwerk zu einer besonderen Herausforderung – vor allem bei der denkmalgerechten Sanierung.

Ziel war es, so viel Originalsubstanz wie möglich zu erhalten – und fehlende Elemente originalgetreu nachzubilden. Entsprechend komplex war der Umgang mit historischen Balustern, Schmuckelementen, Kandelabern und Ziegeln.

Notwendige Sanierung

"Das ganze Bauwerk war ziemlich heruntergekommen“, fasst Bauingenieur Wulf Schöning den Zustand vor dem Sanierungsstart 2019 zusammen.

Wulf Schöning, Fachbereichsleiter für die Baudurchführung im Geschäftsbereich Konstruktive Ingenieurbauwerke.

Die hochfrequentierte Brücke, über die täglich zehntausende Autos und hunderte Züge fahren, erhielt 2015 zunächst eine neue Fahrbahn. Doch damit war es nicht getan: Die Außenbereiche am Alsterufer waren verwildert, die dekorativen Findlinge in den Grünanlagen vor der Brücke verwittert, das Gemäuer mit Graffiti übersät. Es fehlten Steine im Mauerwerk, Liebesschlösser hingen an den schmiedeeisernen Geländern, der Fußgängertunnel war verdreckt. „Ein Trauerspiel“, sagt Schöning und blickt jetzt – nach vier Jahren kleinteiliger Arbeit – prüfend auf das Bauwerk.

Aus Liebe zum Detail

„Allein den Sandstein, der an vielen Stellen ersetzt werden musste, haben wir aus dem Original-Steinbruch in Sachsen bestellt“, erklärt Schöning. Die wuchtigen Zierelemente auf den Brückenpfeilern wurden von Steinmetzen per Hand gefertigt. Die steinernen Geländer, die wie ein Stecksystem funktionieren, haben die Expert:innen statisch überprüft und einzelne Bauteile ersetzt. „Da gibt es keine Schrauben und keinen Kleber. Das ist ein mit Blei vergossenes Zapfensystem“, sagt Wulf Schöning. Die Liebe zum Detail darf bei einem Projekt wie der Lombardsbrücke nicht fehlen.



Denkmalschutz im Verborgenen

Auch in den Bereichen, die nicht sofort sichtbar sind, haben die Expert:innen Hand angelegt: Das Mosaik im Innengewölbe der Brücke, das in erster Linie Kanuten und die Gäste auf den Alsterschiffen zu sehen bekommen, ist wieder originalgetreu vervollständigt. Viele vormals zu Bruch gegangene Ziegel sind neu eingesetzt. „Sie sollen dem Original gleichen, deshalb haben wir die Ziegel extra in Potsdam brennen lassen und dann über ein im Wasser stehendes Gerüst wiedereingesetzt“, erklärt der Fachbereichsleiter.

Lichterglanz an der Alster.

Damit die Brücke in ihrer neuen Schönheit auch angemessen erstrahlt, gibt es zudem ein raffiniertes Beleuchtungskonzept mit versteckt angebrachten Lichtleisten. Diese sind allerdings neu und mit LED.

Die alten markanten Kandelaber erhielten ebenfalls eine Auffrischung. Für ihre Restaurierung haben sie eine weite Reise hinter sich – von einer Kunstschmiede in Thüringen bis zu einer Gießerei in Südfrankreich. Dort wurden sie aufwendig überarbeitet, zusammengesetzt und schließlich mit moderner LED-Technik ausgestattet.

Heute erstrahlt die Brücke wieder im historischen Erscheinungsbild – und zeigt, was Denkmalschutz leisten kann.



0 Baluster

wurden neu gefertigt. Die bauchigen Baluster sind durch ein Stecksystem mit dem Geländer verbunden.



0 Gusseiserne Kandelaber

werden in Südfrankreich restauriert und zum Teil nachgegossen.



0 Vierungsstücke

wurden zur Ausbesserung des kaputten Sandsteins eingebracht.



0 handgefertigte Ziegel

wurden in den Gewölben der drei Schiffsdurchfahrten ausgetauscht.



0 LED-Leuchten

mit einer Länge von 450 Meter sind verdeckt angebracht und beleuchten die Brücke in der Dämmerung. 3.318 Meter Kabel wurden hierfür verlegt

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